Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt

Weichen für Stadtquartier des 21. Jahrhunderts in Holtenau Ost sind gestellt

Ausgabejahr 2019
Datum 20.12.2019

Im Sanierungsgebiet Holtenau Ost geht es voran. Bund und Stadt haben sich auf ein Modell zur Verlagerung des Außenbezirks Kiel des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Lübeck (WSA Lübeck) verständigt.
Für die weitere Planung des früheren Geländes des Marinefliegergeschwaders 5 (MFG 5) beziehungsweise des Sanierungsgebietes ist das ein großer Schritt in die Zukunft.

Am Freitag, 20. Dezember, haben Prof. Dr.-Ing. Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt des Bundes, und Raymund Karg, Leiter der Hauptstelle Verkauf Rostock der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BlmA), gemeinsam mit Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer die Vereinbarung zur Verlagerung des Außenbezirks Kiel (AzB Kiel) des WSA Lübeck unterzeichnet.

Unterzeichnung für das Stadtquartier des 21. Jahrhunderts in Holtenau Ost Stadtquartier (von links nach rechts) Prof. Dr.-Ing. Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt des Bundes, Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Raymund Karg, Leiter der Hauptstelle Verkauf Rostock der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BlmA) Quelle: WSV.de

Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) erhält von der BlmA die für die Verlagerung ihres Betriebsstandortes erforderliche Fläche am südlichen Plüschowhafen mit einer Größe von circa 2,5 Hektar. Sie saniert dort die vorhandenen Kaikanten und richtet die Fläche für den Neubau der Gebäude her. Die Gebäude am jetzigen Standort an der Holtenauer Reede sind in die Jahre gekommen und entsprechen nicht mehr den technischen Anforderungen. Überdies erwartet das WSA Lübeck ein
größeres Mehrzweckschiff als Ersatz für die „Scharhörn“. Die vorhandenen wasserbaulichen Anlagen sind dafür nicht ausgerichtet.

Jetzt nimmt die WSV einen deutlichen Millionenbetrag in die Hand und lässt in den kommenden Jahren am Plüschowhafen einen modernen zukunftssicheren Standort für sich sowie für weitere Einrichtungen des Bundes und der Länder entstehen. Einrichtungen wie zum Beispiel der Zoll und das Havariekommando, aber auch die Lotsenbrüderschaft sind bereits jetzt in Kiel beheimatet und ziehen ebenfalls mit an den neuen Standort.

Die Verlagerung macht für die Landeshauptstadt Kiel die Umsetzung des von der Ratsversammlung beschlossenen Nutzungskonzeptes für eines der bedeutendsten Stadtentwicklungsvorhaben möglich.

„Ich bin froh und stolz, dass wir es nun geschafft haben, miteinander eine gute Lösung für die Verlagerung der WSV-Außenstelle gefunden zu haben“, sagt Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. „Jetzt gibt es Planungs- und Handlungssicherheit für alle Beteiligten. Persönlich freue ich mich, dieses einmalige Projekt auch in den kommenden Jahren als Oberbürgermeister vorantreiben zu dürfen und die Weichen für Kiels Stadtquartier des 21. Jahrhunderts zu stellen.“

Prof. Dr.-Ing. Hans-Heinrich Witte ergänzt: „In konstruktiven Gesprächen ist es gelungen, gemeinsam mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben eine gute Lösung für die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes und die Landeshauptstadt Kiel zu finden. Wir sind gerne bereit, diese für die Landeshauptstadt Kiel so wichtige infrastrukturelle Maßnahme zu unterstützen. Der neue Standort bietet für den Außenbezirk des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Lübeck diverse Vorteile. Das ist eine gute Entscheidung.“

„Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, die Nutzerbelange der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung und das Interesse der Landeshauptstadt Kiel an einer Entwicklung dieses hochinteressanten Areals zu verbinden“, sagt Raymund Karg, Leiter der BImA-Hauptstelle Verkauf in Rostock. „Die BImA steht beiden Akteuren auch weiterhin gerne als verlässliche Partnerin zur Verfügung.“

Auf dem Weg in die Zukunft von Holtenau Ost hat die Stadtverwaltung als Ziele für das kommende Jahr zwei weitere Meilensteine im Blick: Den Grunderwerb des ehemaligen MFG-5-Areals, derzeit im Eigentum der BImA, sowie die Auslobung des städtebaulich-freiraumplanerischen Wettbewerbes.

„Ich erhoffe mir Wettbewerbsbeiträge, die Ideen für einen neuen, zeitgemäßen und klimagerechten Stadtteil aufzeigen. Mit dem Gespür der Wettbewerbsteilnehmer für diesen einzigartigen Ort an der Kieler Förde kann ein urbanes, gemischt genutztes Quartier mit bis zu 1.800 Wohnungen und hohen Freiraumqualitäten entstehen, das seinesgleichen sucht. Kiel hat hier die große Chance, freifinanzierten, sozialgeförderten und genossenschaftlichen Wohnungsbau zu vereinen“, so Doris Grondke, Stadtbaurätin der Landeshauptstadt.

Hintergrund
Im Jahr 2013 hat das Marinefliegergeschwader 5 seinen Standort in Holtenau freigezogen und in Nordholz in Niedersachsen eine neue Heimat gefunden. Für die Landeshauptstadt Kiel bot sich damit eine einmalige Chance der Stadtentwicklung. So können in den kommenden Jahren circa 78 Hektar Landfläche, welche gut 100 Jahre allein dem Militär dienten und nicht für die Stadtöffentlichkeit zugänglich waren, für eine zivile Nutzung entwickelt werden.

Bereits 2010 wurde die städtische Verwaltung mit der Konversion des Geländes beauftragt. 2016 wurde nach Grundlagenstudien – und einer intensiven politischen Diskussion über die Ausrichtung des Geländes – die städtebauliche Sanierungsmaßnahme Holtenau Ost eingeleitet, um einen zukunftsorientierten und vernetzten Stadtteil bei möglichst zeitgleicher Entwicklung von produzierendem Gewerbe und Wohnen am Wasser zu realisieren.

Mit dem Beschluss des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes für Holtenau Ost im Jahre 2018 erfolgte erneut die Bestätigung des stadtentwicklungspolitischen Anspruchs eines vitalen, mischgenutzten Quartiers mit Wohnen, Gewerbe, Freizeit, Segeln, Tourismus, Sport- und Gemeinbedarfsflächen. Das Nutzungskonzept sieht neben dem Erhalt der gut 20 Hektar Waldflächen die Schaffung von 17 Hektar Gewerbeflächen, 12,5 Hektar Flächen für gemischte Nutzungen inklusive sozialer, kultureller und gastronomischer Infrastruktur, die Anlage von Freiraum und Erholungsflächen sowie von sechs Hektar Wohnflächen vor.

Ziel ist es, innerhalb des gesamten Bereiches – das heißt sowohl im Bereich für gemischte Nutzungen wie auch im Bereich der Wohnflächen – Raum für insgesamt 1.800 Wohneinheiten zu verwirklichen.

Um Wohnraum in diesem Umfang vorsehen zu können, war die Einbeziehung der Fläche des ABz Kiel des WSA Lübeck an der Holtenauer Reede sowie die Verlagerung des derzeitigen Betriebsstandortes für die Entwicklung des ehemaligen MFG-5-Areals unabdingbar.

Das Land Schleswig-Holstein unterstützt die Stadt bei ihrer Aufgabe durch die Gewährung von Zuwendungen aus der Städtebauförderung. Aktuell stehen hierfür mehr als 30 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung. Städtebaufördermittel werden anteilig sowohl von Bund, Land und Stadt für die jeweilige Maßnahme bereitgestellt.

Unterzeichnung für das Stadtquartier des 21. Jahrhunderts in Holtenau Ost Stadtquartier (von links nach rechts) Raymund Karg, Leiter der Hauptstelle Verkauf Rostock der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BlmA), Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Prof. Dr.-Ing. Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt des Bundes Quelle: WSV.de