Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt

Der Nord-Ostsee-Kanal

International einer der ganz Großen!

Der Kiel Canal wie der Nord-Ostsee-Kanal (NOK) international heißt, ist eine der wichtigsten Hauptverkehrsadern Nordeuropas. Er verbindet Skandinavien und die baltischen Staaten mit den Nordseehäfen und den Hauptschifffahrtsrouten im internationalen Welthandel. Außerdem ist der Kanal Teil des Transeuropäischen Verkehrsnetzes der EU (TEN-V). Während sich der NOK von Kiel nach Brunsbüttel beinahe gemächlich durch Schleswig-Holstein windet, ist er international von großer Bedeutung:

Jährlich befahren durchschnittlich über 32.000 Schiffe den knapp 100 Kilometer langen Kiel Canal, das sind täglich ca. 90 Schiffe. Sie transportieren ca. 100 Millionen Tonnen Ladung pro Jahr. Nach der weltweiten Wirtschaftskrise 2009 und den damit verbundenen Einbrüchen bei den Kanalpasssagen haben sich inzwischen die Anzahl der Schiffe wie auch das Transportvolumen wieder stabilisiert und den Werten vor der Krise angenähert.

Weltweit ist ein rasanter Anstieg des Containerverkehrs zu beobachten. Immer größere Schiffe werden gebaut und sind auf den Weltmeeren unterwegs. Internationale Logistikketten greifen nahtlos ineinander. Zeit ist Geld. Zwischen 10 und 14 Stunden durchschnittlich liegt die Zeitersparnis für Schiffe, die den NOK befahren und nicht die Route um Skagen wählen. Das bedeutet auch weniger Treibstoffkosten und einen geringeren CO2-Ausstoß. Eine für Reeder zeitlich und wirtschaftlich optimale Kanalpassage setzt u.a. verlässlich funktionierende Schleusen voraus. Wie überall auf der Welt ermöglichen sie die Angleichung des Wasserstandes und damit das Befahren eines Wasserweges. Von Pazifik zu Atlantik wie auf dem Panamakanal, von Nord- zu Ostsee, das Prinzip ist dasselbe.

Ökonomisches Handeln bedeutet für Reeder und Charterer eine verlässliche Infrastruktur, die Wartezeiten so gering wie möglich hält und Zeitpläne umsetzbarmacht. Am NOK sind die Schleusen 1895 und 1914 gebaut worden. Instandsetzung und Modernisierung zwar alter, aber bewährter Technik ist dringend erforderlich. Wie bedeutend der Nord-Ostsee-Kanal ist, wird auch im Koalitionsvertrag 2013 der Bundesregierung unterstrichen. Ein „funktionsfähiger NOK spielt eine zentrale Rolle“. Er soll an die gestiegenen Anforderungen angepasst werden. Die Weichen sind gestellt.

Der Bauauftrag für eine fünfte Schleusenkammer in Brunsbüttel wurde im April 2014 vergeben, die Verkehrsfreigabe ist für das 2. Halbjahr 2020 vorgesehen. Große Infrastrukturprojekte in Deutschland brauchen Zeit. Haushaltsmittel müssen zur Verfügung stehen, umfangreiche Rahmenbedingungen an Umweltverträglichkeit erfüllt, vergaberechtliche Vorgabenberücksichtigt werden. Das gilt auch für den Ausbau der Oststrecke des NOK, ein 20 km langer Engpass für die Schifffahrt. Ende 2013 erging der erforderliche Planfeststellungsbeschluss. Zusätzlich ist vorgesehen die über100 Jahre alte Levensauer Hochbrücke zu ersetzen, die ebenfalls ein Nadelöhr darstellt. Anfang 2015 soll das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden.

Ein über 100 Jahre alter Kanal und immer größere Schiffe, dies stellt besondere Anforderungen an die WSV. Neben notwendigen Ausbauvorhaben, geht es vor allem auch darum, den Schiffsverkehr im NOK zu managen. Dafür ist auf dem Kiel Canal die Verkehrszentrale NOK in Brunsbüttel zuständig. Hier laufen rund um die Uhr alle wichtigen Informationen auf, werden alle wesentlichen Entscheidungen getroffen, um jedem einzelnen Schiff eine optimale, sichere und schnelle Kanalpassage zu ermöglichen. Eine Voraussetzung für eine sichere Passage sind Begegnungsregeln für große und kleine Schiffe. Weichen bieten Warteplätze für ausweichpflichtige Schiffe und gezielte Planungen ermöglichen es, jeden Platz in der Schleuse zu nutzen. Und für den Fall einer Havarie werden sofort alle notwendigen Hilfsmaßnahmen eingeleitet. Zusätzlich befinden sich an Bord der meisten Schiffe Lotsen und Kanalsteurer. Sie unterstützen den Kapitän an Bord in einem für ihn fremden Revier und stehen ergänzend an Bord für die Verkehrszentrale als Ansprechpartner zur Verfügung.

Ein modernes Verkehrsmanagement ist ohne Expertenwissen und ohne moderne Digitaltechnik undenkbar. Beides ist wichtige Grundlage für einen sicheren und reibungslos fließenden Verkehr auf der meistbefahrenen künstlichen Seeschifffahrtsstraße der Welt. Radar-Daten, AIS (Automatisches Schiffsidentifikationssystem), UKW-Funk, Wetter- und Umweltdaten, Weichensignale am Kanal, Signale für das Einlaufen in die Schleuse. Alle diese Daten und Funktionen laufen in der Verkehrszentrale rund um die Uhr zusammen und müssen jederzeit ausfallsicher bereit stehen. Mit dem technischen Fortschritt Schritt haltend wird zurzeit erstmalig ein nationales küstenweit einheitliches technisches System für die Verkehrszentralen geschaffen. Die Verkehrszentrale NOK wird zukünftig noch schneller, effizienter und küstenweit noch enger vernetzt arbeiten können.

Als Kaiser Wilhelm vor über hundert Jahren den Startschuss für den Bau des Kanals gab, konnte er nicht ahnen, wie sich der internationale Schiffsverkehr und damit die Anforderungen an den Kiel Canal entwickeln würden. Jede Generation an Nautikern, Ingenieuren und Technikern hat seitdem ihren Anteil dazu beigetragen, den Kiel Canal attraktiv zu halten und ihn damit international zu einem der ganz Großen zumachen. Diese Verantwortung ist uns historisches Vermächtnis und Herausforderung für die Zukunft zugleich.